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Fremde wurden zu Freunden 29.09.2008 Christa und Helmut Sobko verlassen die evangelische Kirchengemeinde Gutenberg
Eigentlich wäre Helmut Sobko gerne geblieben. Doch am Sonntag hieß es für ihn Abschied nehmen: Nach sechseinhalb Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde Gutenberg packen der 63-Jährige und seine Frau Christa die Koffer. Gestern verabschiedete sich die Gemeinde von ihrem Seelsorger mit einem bunten Fest und einem emotionalen Gottesdienst in der Nikolauskirche, bei dem auch der Erntedank gefeiert wurde. Lenningen. Früchte und Erntegaben schmückten den Altarraum, als die Glocken der Kirche Helmut Sobko zu seiner letzten Amtshandlung riefen. Es war, als hätte sich selbst das Gotteshaus herausgeputzt: Die herbstliche Morgensonne blinzelte durch die Kirchenfenster und malte bunte Muster auf die Wände, als der Thüringer an der Spitze der Buben und Mädchen von der Kinderkirche das voll besetzte Kirchenschiff betrat. Mit seinem Abschied auch das Erntedankfest feiern zu können kaum hätte man sich etwas Schöneres wünschen können, meinte Andreas Wieland vom Kirchengemeinderat (KGR) in seinen Begrüßungsworten. Die Gemeinde sei dankbar für das, was in der Pfarrzeit von Sobko gewachsen sei. Gleichzeitig sprach Wieland die Unsicherheit an, vor der die Gemeindeglieder aus Gutenberg, Krebsstein und Schlattstall nun stehen. „Wir zittern ein wenig vor dem, was da auf uns zukommt“, erklärte er und dürfte damit vielen Gottesdienstbesuchern aus der Seele gesprochen haben. Denn noch ist ungewiss, wie es in der Gemeinde der Nikolauskirche in Zukunft weitergehen wird. Das Amt ist neu ausgeschrieben allerdings nur noch als 50-Prozent-Stelle. Wann und ob wieder ein Pfarrer ins Gutenberger Pfarrhaus ziehen wird, ist derzeit noch unklar. Nicht nur deshalb hatte Helmut Sobko auch nach seiner Pensionierung gerne weiterhin in der Gutenberger Nikolauskirche gewirkt. Unentgeltlich wollte er sich bis zur Wiederbesetzung der Pfarrstelle um die Gemeinde kümmern jedoch lehnte der Oberkirchenrat das Angebot, wie berichtet, ab. Sobkos wären gerne weiterhin in Gutenberg tätig gewesen, weil sie hier Freunde und ein Stück Heimat gefunden haben. Gerade deshalb wird dem Pfarrer und seiner Frau das Herz schwer, wenn am 8. Oktober der Möbelwagen vorfährt und es endgültig Abschied nehmen heißt. Daraus machte Sobko in seiner Predigt keinen Hehl. „Abschied ist immer ein bisschen sterben“, sagte er. Vermissen werde er seine Arbeit auf jeden Fall, ist er sich sicher. Die Arbeit mit den Schülern und Konfirmanden, die ihn als „Opa-Pfarrer“ akzeptiert hätten. Die Arbeit mit den vielen Gemeindegruppen, die ihm so offen und herzlich begegneten. Aber auch die Arbeit mit den Erwachsenen, den Mitarbeitern, die Kranken- und Seniorenbesuche. „Wir haben fast immer offene Türen und offene Herzen vorgefunden“, so sein Dank an die Gemeinde. „Wir haben viele Gründe, dankbar zu sein“, schlug er nach den persönlichen Worten den Bogen zum Erntedank, den die Gemeinde im Vorgriff auf den kommenden Sonntag anlässlich des Abschieds bereits gestern feierte. Der scheidende Pfarrer mahnte, die „Klassiker des Christseins“ nicht zu vergessen zu danken, zu loben und zu teilen. Sobko ging kritisch mit der modernen Gesellschaft ins Gericht, prangerte die soziale Ungerechtigkeit zwischen Management und kleinem Mann ebenso an wie zwischen den reichen Industriestaaten und den armen Ländern der Welt. Zum Ende des Gottesdienstes, den der Liederkranz mit seinem Dirigenten Reiner Hiby und der Musikverein Gutenberg festlich umrahmten, hatten die Jungen und Mädchen von der Kinderkirche noch eine kleine Überraschung für das Pfarrerehepaar: Mit einer kleinen Musicalaufführung sagten sie Helmut und Christa Sobko Danke für eine gemeinsame Zeit. Nach dem Gottesdienst verabschiedete die Gemeinde das Ehepaar offiziell. Im Anschluss ließen es sich viele Gutenberger, Krebssteiner und Schlattstaller nicht nehmen, beim kleinen Gemeindefest im Kirchhof persönlich Adieu und Dank zu sagen. Doch eines ist ganz sicher: Für Sobkos wird es kein Abschied für immer sein: „Wir werden besuchsweise ganz sicher ab und zu zurückkehren“, versprach der scheidende Pfarrer. Weit haben er und seine Frau es nicht: Die Sobkos werden ihren Ruhestand oben auf der Alb zwischen Rottweil und Tuttlingen genießen. Nicole Mohn
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