Die Kinderkirche pflegt den „Kirchenschlaf“

Der Kirchenschlaf ist der gesündeste“, so sagt man zumindest. Ob dem tatsächlich so ist, das wollten 16 Jungen und Mädchen der Kinderkirche in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai einmal ausprobieren.

Natürlich war am frühen Abend noch niemand wirklich müde, und deshalb begaben sich die Kinder zu­sam­men mit ihren Leiterinnen und Leitern zunächst einmal auf eine Reise: Sie begleiteten Abraham auf seinem Weg von Ur in Chaldäa bis nach Ägypten und Kanaan.

Dabei schlüpften die Kinder als Schauspieler selbst in die Rolle der Figuren aus der Abrahams-Erzählung: Abraham und Sarah, Lot und der Pharao, drei geheimnisvolle Männer, aber auch ein Kamel oder der Bühnenvorhang mussten schauspielerisch dargestellt werden. Die Kinder spielten dabei spon­tan immer genau das, was eine Leiterin in diesem Moment erzählte. Dabei bewiesen sie Fantasie, Spontaneität und eine gehörige Portion Humor und so war das Schauspiel für manchen Lacher verantwortlich.

Spürbar beeindruckt waren die Kinder nicht nur von Abrahams sprichwörtlichem „biblischen Alter“, sondern auch von der Treue mit der er Gottes Verheißung geglaubt und vertraut hat.

So ein Schauspiel macht hungrig und deshalb war es danach erst einmal Zeit zum Abendessen. Im Gemeindehaus war der Tisch bereits gedeckt und bei italienischer Pasta mit verschiedenen Soßen konnte sich jeder ordentlich stärken.

Doch das eigentliche Programm sollte sich ja in der Nikolauskirche abspielen und so ging es - kaum dass der letzte Bissen verspeist war - wieder zurück ins Kirchengebäude.

Bei einem „Kirchenspiel“ konnten die Kinder testen, was sie noch von der Abrahams-Geschichte behalten hatten. Aber auch Fragen und Aufgaben zur Nikolauskirche mussten gelöst werden. Dazu waren im ganzen Kirchenraum und auch im Gemeindehaus Fragezettel versteckt, die erst einmal gefunden werden mussten. Hatte eine Gruppe „ihre“ Frage entdeckt, war sie noch nicht am Ziel. Damit man vorwärts weiterziehen durfte, musste erst einmal die richtige Antwort beim Spielleiter vorgetragen werden: So sollte man zum Beispiel herausfinden, wann Karl Gußmann Pfarrer in Gutenberg war oder wer das schöne Buntglasfenster im Chor der Kirche geschaffen hat. Aber auch Aufgaben wie einge „Gesangbuch-Staffellauf“ oder das gemeinsame Vortragen eines Liedes mussten die Teams bewältigen – da war für jeden etwas dabei, so dass am Ende gar nicht mehr so wichtig war, welche Gruppe nun zuerst das Ziel erreicht hatte.

Nach dem Spiel war „Kinozeit“ - dazu ging es wieder zurück ins Gemeindehaus. Für die richtige Kinoatmosphäre hatten sich die Kinder Knabberzeug mitgebracht und auch Getränke standen bereit als auf der großen Leinwand der Filem „Chicken Run – Hennen Rennen“ anlief. Ein witziger, in Stop-Motion-Technik gedrehter englischer Animationsfilm, der allen großen Spaß machte und der bei allem Klamauk und Slapstick durchaus auch ernsthafte Themen behandelte.

Mitternacht rückte immer näher und es wurde Zeit, sich um ein Nachtlager zu kümmern. Schnell war der Vordere Teil der Kirche und der Platz hinter dem Altar mit Luftmatratzen und Schlafsäcken ausgefüllt. Dabei zogen sich die Jungs hinter den Altar zurück und die Mädchen hatten ihr Reich zu Füßen der Altarstufen.

Bevor sich alle zur Nachtruhe betten konnten, musste jedoch erst einmal die Geisterstunde überstanden werden. Und so richtig gruselig ist die Geisterstunde natürlich nicht im hellen Kirchenraum, sondern oben im düsteren Turm direkt unterhalb der schweren Kirchenglocken. Fast alle waren auch richtig mutig und trauten sich trotz des in der Ferne heraufziehenden Gewitters kurz vor Mitternacht die schmale und stockdunkle Wendelt­reppe hinauf. Dann schlug die Turmuhr zwölf mal und damit man sich so richtig schön gruseln konnte gab es für alle noch eine Gruselgeschichte im Schein der Taschenlampe zu hören. Als Kinder und Leiter wieder sicher unten am Turm angekommen waren, hatte es auch so richtig zu schütten begonnen und alle rannten schnell zurück in den Kirchenraum, um nicht nass zu werden.

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht gab es am nächsten Morgen noch ein schönes und ausgiebiges Frühstück im Gemeindehaus, bevor alle ihre sieben Sachen wieder vom Kirchenboden aufsammelten, alles einpackten und ein wenig müde, aber fröhlich nach Hause gingen.

Andreas Wieland