Innenrenovierung der Nikolauskirche in Gutenberg

Der Kirchengemeinderat von Gutenberg hat das Bestreben, die Interessenten in unserer Kirchengemeinde möglichst klar über die Pläne und den Fortgang der Innenrenovierung und die anstehenden Probleme zu unterrichten. Deswegen erschien in jedem der letzten Gemeindebriefe ein Beitrag.

In den vergangenen Wochen ging die Entwicklung aber so rasch weiter, dass wir zusätzlich in unserem Schaukasten und in unserer Homepage kurze Berichte einstellen wollen. Wer darüber hinaus Genaueres wissen möchte, ist zu unseren Kirchengemeinderatssitzungen eingeladen oder zu einem Gespräch mit einem Mitglied des Kirchengemeinderats.

Wenn Herr Architekt Holder einen Gesamtplan und wir einen Finanzierungsplan vorlegen können (wir erwarten dies bis zum Ende des Jahres), beabsichtigen wir eine Informationsveranstaltung für die Gemeinde.

Stand Ende Oktober 2003

In den vergangenen Monaten ließen wir uns beraten von Frau Grupp, Bausachverständige des Oberkirchenrats, Frau Braun, Landesdenkmalamt, Herrn Frank, Untere Denkmalbehörde des Landratsamtes, Herrn Wieck, Restaurator, der die Farbfassungen im Kircheninneren untersuchte und Herrn Reif, Holzrestaurator und amtlicher Sachverständiger, der den Zustand der Bänke in unserer Kirche kontrollierte. Von Herrn Wieck liegt ein ausführlicher Bericht vor, der bei Frau Reichle im Sekretariat im Pfarrhaus eingesehen werden kann; Herr Reif bestätigt einen akuten Holzwurmbefall an allen Nadelholzteilen der Bestuhlung.

Unser Architekt, Herr Holder, erhielt vom Kirchengemeinderat den Auftrag, folgende Forderungen und Wünsche in einem Entwurf für die Renovierung zusammenzufassen:

Die Kirche soll hell, freundlich und einladend wirken.

Moderne Technik soll mithelfen, Bausubstanz zu erhalten und den Kirchenbesuchern ein angenehmes Raumklima zu bieten. Dies betrifft natürlich die Heizung und - wie sich in Vorgesprächen und Voruntersuchungen zeigte - eine Isolation des gesamten Bodens gegen aufsteigende Feuchtigkeit - eine sehr aufwändige Arbeit.

Im Bereich zwischen Altar und Taufstein und seitlich vom Taufstein soll mehr Platz für Gruppen, Chöre, Theateraufführungen geschaffen werden.

Wir stehen vor der schwierigen Aufgabe, den Kirchenraum so zu gestalten, dass er den Anforderungen der nächsten Jahrzehnte genügt (wobei wir diese Entwicklung nur erahnen können); dabei soll aber von dem uns liebgewonnenen Zustand der bestehenden Kirche möglichst viel erhalten bleiben.

Die einsichtige Forderung, die gewachsene Substanz zu schonen, stößt in der praktischen Ausführung - bisher nur Planung - auf erhebliche Probleme:

Ist der Zustand des Holzes der Bänke so gut, dass diese Bänke nach dem notwendigen Ausbau wieder eingebaut werden können? Lohnt sich eine große Aktion gegen den Holzwurm zum Beispiel durch Einbringen vieler/aller Holzteile in eine Wärmekammer?

Die Vertreter des Landesdenkmalamtes zeigten bisher nur wenig Verständnis für eine Neufassung des Kircheninnern, sie befürchten unnötige Verluste an der bisherigen Bausubstanz.Die folgende knappe Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse des Restaurators, Herrn Wieck, zeigt aber, dass es nicht einfach sein kann, einen „ursprünglichen Zustand“ zu erhalten:

Fassung 1865:

Schiff: Wand in hellem Grün;
Decke, Empore und Gestühl: holzsichtig oder Ocker-Lasur;
Chor: Wand weiß-ockerig; Gewölbe und Rippen farbig abgesetzt in Richtung Blau.

Zweitfassug vor 1900:

Schiff, Wand, Decke, Empore und Gestühl wie 1865;
Chor: Wand fläche weiß-bläulich, Gewölbe graublau hell, Rippen graurosa.

Fassung 1934:

Schiff: Wand weiß-gräulich;
Decke, Empore, Gestühl und Kanzel: wie heutige Sichtfassung;
Chor: Wandfläche graubraun hell, Gewölbe und Rippen grau hell, Rippen, Kapitele und Chorbogen stark farbig.

Sichtfassung 1960:

Die starke Farbigkeit der Zierelemente wurde wieder zurückgenommen.

Bodenbeläge:

Erstfassung: Chor und Gänge möglicherweise Naturstein - es gibt keinen Befund.

Renovierung um 1900: Bodenbelag im Schiff erneuert, heutiger Fliesenboden.

Renovierung 1934: Chor: Solenhofer Platten bruchrauh, neu.

Fassung 1960: Erneuerung des Belages um den Taufstein mit Solenhofer Platten geschliffen.

Gestühl:

Erstausstattung 1865.

Der Chor wurde 1865 neu errichtet zusammen mit dem Schiff; vermutlich wurden Zierelemente wiederverwendet und zum Teil umgearbeitet.

Wie wird es weitergehen?

Voraussichtlich im Dezember kann Herr Architekt Holder dem Kirchengemeinderat einen Plan und die zugehörige Kostenberechnung für die Innenrenovierung vorlegen.Wir werden den Entwurf sorgsam überdenken und versuchen, einen Finanzierungsplan zu erstellen. Diese Pläne werden dem Oberkirchenrat zur Genehmigung und zur Freigabe weiterer Planugsphasen und dem Landesdenkmalamt zur Denkmalschutzrechtlichen Genehmigung zugeleitet.

Unser Ziel ist, dass im Frühjahr 2004 die Arbeiten am Bau beginnen können.