Auf der Urkunde ist nachzulesen:
Im Jahr des Herrn Tausend Acht Hundert Fünf und Sechzig im ersten Jahr der Regierung des Königs Karl von Württemberg wurde die alte Kirche abgebrochen, und auf der gleichen Stelle eine neue gebaut. Die alte Kirche mag etwa 400 Jahre alt gewesen sein, und war sehr feucht, dunkel und eng. Auch hatte sie in letzter Zeit Risse bekommen, so daß sie gestützt werden mußte. - Der Riß zur neuen Kirche wurde von Bauinspektor de Pay in Stuttgart entworfen und unter Leitung des Bauführers Koch von Nürtingen ausgeführt. Den Akkord übernahmen Steinhauer Graner von Nürtingen, Zimmermeister Burger und Höflinger von Wiesensteig, Schreiner Gamper von Owen, Gipser Kistenfeger von Westerheim, Schlosser Schlienz von Kirchheim, Glaser Hehl von Kirchheim. Die Kosten für Kirche und Thurm sind angeschlagen zu achtzehn Tausend Gulden. Zu diesen Kosten bekam die Gemeinde einen Staatsbeitrag von 2,800 fl. und eine Kirchenkollekte in 4 Generalaten des Landes, Heilbronn, Ludwigsburg, Hall und Ulm, welche 3,360 fl. eintrug. Die Einwohnerzahl beträgt in Gutenberg 600, in Krebsstein 60, in Schlattstall 240, zusammen 900 Seelen, die Schülerzahl in Gutenberg 100, in Schlattstall 22. Die Preise in diesem Sommer: 1Zentner Kernen 5-6 fl., 1 Zt. Waizen 5 fl., 1Zt. Gerste 3-4fl., 1 Zt. Haber 3-4 fl., - 1 Pfund Ochsenfleisch 14 xr, 1 Pfund Kalbfleisch 8xr, 1 Pfund Butter 24xr 1 Klafter buchenes Holz 22-24 fl. - Der Schnee blieb im Frühjahr sehr lange liegen, so daß der Abbruch der alten Kirche erst nach Ostern, Dienstag den 18.April begann. Am 12.Mai wurde mit dem Fundament der Kirche angefangen. Der Thurm wurde erst im Juli abgebrochen und das Fundament im August gelegt. Gott segne und behüte diese Kirche zum Heil der Gemeinde!
Gutenberg, Oberamt Kirchheim, Das gemeinschaftliche Oberamt den 8. September 1865. Dekan Weitzel, Oberamtmann Jdler Stiftungsrath in Gutenberg: Bürgerausschuß in Gutenberg: Pfarrer Hochstetter, Heußler, Auer, Auer, Häußler, Schultheiß Hink, Maier, Auer, Wörz.Weber, Schmierer, Gamper, Keller, Fetzer, Hiller. Gemeinderath in Schlattstall: Bürgerausschuß in Schlattstall: Schultheiß Schilling, Ranzenbach, Wieland, Allmendinger, Ziegler, Hitzer, Ehni, Steudle, Rauscher, Steudle, Ranzenbach, Heußler. Steudle. Geschrieben von Schulamtsverweser Schäl
Anmerkung: 1 Gulden (fl) = 60 Kreuzer (xr) / Der Gulden war ursprünglich ein Goldstück, geprägt in Florenz: „aureus Florentinus“, deshalb die Abkürzung.
Im Frühjahr 1999 wurde die Außenrenovierung in Angriff genommen. Durch eindringendes Regenwasser entstanden im Kirchenschiff an der Ostseite des Giebels hässliche Wasserflecken, täuschend echt zu verwechseln mit nicht abgenommenen alten Spinnweben. Die Mesnerin wurde schon darauf angesprochen. Die Sandsteinfassade war nach all den Jahren an vielen Stellen reparaturbedürftig geworden. Alle Fugen der Außenwand wurden überarbeitet. Durch Abdampfen und Sandstrahlen erscheint die Außenfassade der Kirche in neuer Schönheit. Außerdem muss um das Gebäude eine Drainage verlegt werden.
Nach begonnener Außenrenovierung wurde auch der schlechte Zustand des Daches bemerkt. Der Kirchengemeinderat beschloss in einer Sondersitzung die Neueindeckung des ganzen Daches samt Erneuerung und Ausbesserung des Dachstuhles und der Dachlatten. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Kirchenführers stand ebenfalls die Erneuerung der Turmfassade fest.
Viele Renovierungsarbeiten wurden in Eigeninitiative in Angriff genommen von Gemeindegliedern aus Gutenberg, Schlattstall und Krebsstein.
Eine Renovierung des Kircheninneren steht noch an. Alles in allem werden die Kosten für die Renovierung auf 650.000 DM geschätzt. Eine hohe Summe, gemessen an der Gemeindegliederzahl der Kirchengemeinde. Im Jahre 1999 betrug sie 696.